5. Die Elementare Geschlechterkraft und der Existentielle Punkt

Es entstand eine eigene Theorie der Elementaren Geschlechterkraft und des Punktes, über den wir uns hinauswagen müssen, damit diese Kraft wieder fließen kann.

Die meisten Menschen, die ich kennengelernt und betreut habe, sehnten sich auf die eine oder andere Art nach Intensität, nach dieser elementaren Kraft im Leben - und gleichzeitig fürchteten sie diese.

Steinmauer Wenn Mann und Frau sich auch sexuell vereinen, entsteht eine unwahrscheinlich starke Dynamik zwischen ihnen. Es ist die Kraft der Natur, die Kraft der Fortpflanzung zum Erhalt der Menschheit, die uns zum anderen hinzieht - oftmals über alle Grenzen des Egos hinaus. Es zieht uns hin, anfangs finden wir dies auch noch spannend. Doch je mehr der Alltag eintritt und unsere Ängste stärker werden - meist dann auch stärker als unsere Liebe -, desto mehr versuchen wir uns durch Mauern zu schützen, die wir gegenüber dem Partner aufbauen. Damit verhärten sich die Fronten, die Streite lassen sich nicht mehr lösen, es entsteht immer mehr Distanz und diese Kraft stirbt, sie erstarrt wie Lava: Man hat sich "auseinandergelebt".

Diese unwahrscheinlich starke Kraft zwischen Mann und Frau kann schöpferisch sein, Kinder zeugen, große Werke bewirken - sie kann aber auch belasten und zerstören: den einen oder beide Partner, deren Existenzgrundlage und auch deren Kinder.
Warum haben wir bislang keine "Betriebsanleitung" für einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft, wo wir ihr doch alle ausgesetzt sind? Hier möchte ich Hilfestellungen an die Hand geben.

Als Elementare Geschlechterkraft bezeichne ich im Folgenden diese Naturkraft, die ein Paar existentiell aneinander bindet und die Lust zwischen ihnen entfacht. Es ist die Urkraft der Schöpfung, die Zeugen und Entbinden, Nähren - und auch Streiten - hervorbringt. Und diese Urkraft verursacht eine Anziehung zwischen dem männlichen und dem weiblichen Pol wie zwischen den beiden Polen eines Magneten.
Wir können diese Kraft fließen lassen und dadurch in unserer Partnerschaft "aufleben" und "erblühen" oder wir können Mauern gegen diese Kraft bauen, "erstarren" und sogar daran zerbrechen oder einander töten - wie das leider immer wieder geschieht. Diese Kraft ist stärker als unser Ich. Sie ist etwas, das uns an die Erde bindet und einbindet in die Natur, das uns den tiefen Sinn unseres Menschseins unmittelbar spüren und über unser "kleines Ich" hinauswachsen lässt. Und der Punkt, an dem wir trotz unserer inneren Widerstände und Üngste über die Begrenzungen unseres Egos hinauswachsen - das ist der Existentielle Punkt.

Baumkrone

Was bedeutet dies konkret für unser Leben? Wir vermeiden in unserer Kultur existentielles Erleben von Bedrohungen. Immer mehr haben wir uns geschützt. Doch damit haben wir auch die Übung darin verloren, uns existentiellen Bedrohungen zu stellen und für unser Leben und Glück über uns selbst hinauszuwachsen. Alles soll bequem sein: Wir haben elektronische Geräte, die uns die Arbeit abnehmen, Airbags, die uns schützen, Handys, damit wir uns nicht vermissen müssen, und, und, und ... Aber wir haben keine Übung mehr darin zu verzichten, am Leiden zu wachsen und vor allem wirklich mit allen Sinnen in unserem Körper präsent zu sein - gerade dann, wenn es im Leben bedrohlich unangenehm wird.

Nur: Partnerschaft ist eine existentielle Bedrohung für unser Ego, denn sie wird aus einer Quelle gespeist, die weit größer ist als unser Ich: Es ist die Schöpfungskraft, die dem Erhalt der Menschheit dient - und gleichzeitig ist es eine seelische, psychische und materielle Entscheidung, wenn zwei Menschen sich aneinander binden. Hier kommt also Erdenkraft und Seelenkraft zusammen, deshalb wird es so existentiell und so stark. Hiervor können wir uns nicht mehr schützen. Damit müssen wir umgehen lernen, wenn Partnerschaft gelingen soll. Das ist nichts für "Weicheier" und bequeme Couch-Potatoes. Hier gilt das Märchen von Sterntaler, dem Mädchen, das im Winterwald frierenden Mitmenschen nach und nach all seine (Schutz-)Kleidung bis auf ein Hemd schenkte und dem dann die Goldtaler in eben jenes Hemd fielen: Nur wer auch seinen letzten Ego-Schutz loslässt und immer wieder mutig für die Liebe einsteht, bekommt das Gold vom Himmel in seinen Schoß gelegt.

In diesem Buch werden diese elementaren Kräfte zwischen Mann und Frau aus verschiedensten therapeutischen und spirituellen Richtungen erforscht und Wege aufgezeigt, diese Kräfte auf gute Weise leben zu lernen.
Wir können wieder lernen, uns die Elementare Geschlechterkraft nutzbar zu machen, indem wir diese kennenlernen, verstehen und üben, den Existentiellen Punkt, also unsere Ego-Grenze zu überschreiten, um uns mit unserem Partner in der Tiefe zu verbinden und die Kraft zu finden, auch in schlimmen Phasen uns nicht hinter Mauern zu verschanzen, sondern in Liebe auf unseren Partner zuzugehen. ...

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